Hinterher weiß man immer mehr. Das Informationsverhalten im Internet
26. Oct. 2011 von Lisa

Die Suche nach Information ist die zweihäufigste Aktivität im Netz – nach Kommunikation. Ein Fünftel seiner gesamten Onlinezeit sucht der durchschnittliche Internetnutzer nach irgendetwas.
Wer Internet sagt, muss auch google sagen
Das Synonym für Suche im Internet ist Google. Die Suchmaschine ist mit Abstand (bzw. mit einem Marktanteil von 94%) die beliebteste Suchmaschine und die beliebteste Seite in Deutschland überhaupt. Seit 2004 steht das Verb googeln offiziell im Duden.
Die Statistik, wonach die Mehrheit gerade sucht, sagt viel über aktuelle und künftige Entwicklungen aus. Wenn beispielsweise viel nach Grippesymptomen gesucht wird, ist die nächste Grippewelle nicht mehr weit. Diesen Zusammenhang nutzt das Unternehmen mittlerweile für ein Grippe-Frühwarnsystem.
Andere Trends erkennt die Suchmaschine genauso zuverlässig. Als im Leipziger Zoo im Februar 2011 ein dickes, schielendes Opossum namens Heidi plötzlich zum Liebling der Netzwelt avancierte, war das Tier beliebter als das gleichnamige (nicht schielende) Topmodel.
Auch Thomas beginnt fast jede Internetsitzung bei google. Früher befragte er seinen Bekannten- und Freundeskreis für Tipps gegen Rückenschmerzen, vertrauenswürdige Autowerkstätten oder einen guten Kinofilm – er googelte also in Menschennetzwerken, wie der Mathematiker Guenther Dueck es sagen würde. Heute googelt er dagegen in echt.
Auch Seiten wie Facebook, Youtube oder Ebay ruft er nicht direkt, sondern über Google auf. In der Google-all-time-favorite-Liste sind diese Suchbegriffe deshalb immer ganz oben. Dieser Befund deckt sich mit der amerikanischen Studie „Google effects on memory“, nach der wir uns tendenziell Dinge nicht mehr so genau merken, wenn wir sie auch googlen können. Statt sich die Information zu merken, merken wir uns eher den Ort, wo wir sie gefunden haben.
Das Suchen klappt also schon gut. Nur das Finden bereitet manchmal noch Probleme. Mehr als 90 Prozent der amerikanischen Internetnutzer kennen die Kombination Strg + F nicht, um damit Texte oder Internetseiten zu durchsuchen. Für Deutschland liegen keine Zahlen vor, doch ist davon auszugehen, dass auch Thomas hilflos durch Seiten scrollt, um die Stelle zu finden, die er eigentlich sucht.
Morgens um acht in Deutschland
Ganz klar: das Internet gewinnt als Informationsquelle ständig an Bedeutung. Die klassischen Medien liegen im Gesamtergebnis zwar immer noch vorne, aber jeder zweite Deutsche nutzt mittlerweile auch das Internet, um auf dem Laufenden zu sein. Dort hält er sich er wiederum auf den Websites der klassischen Medien auf, um sich über das Welt- und Lokalgeschehen zu informieren.
Unter den Inhalten, die im Netz angeguckt werden, sind Nachrichten seit Jahren an oberster Stelle. Auch Thomas beginnt seinen Tag meistens bei einem großen Nachrichtenmagazin. Die täglichen Zugriffe bei Spiegel Online spiegeln dieses Nutzungsverhalten wider: ein Peak ist morgens zwischen acht und Neun Uhr. Ins Büro kommen, Rechner hochfahren, nachsehen, was in der Welt los ist – so sieht die Büroroutine von Millionen von Menschen in Deutschland aus. Die Phase um die Mittagspause herum gehört ebenfalls zu den Spitzenzeiten der Nachrichtenseite.
Sonne, Stau und Heimspiel
Wetter und Verkehr sind nach Nachrichten die zweitwichtigsten Informationen – 46 % der Onliner beschäftigen sich regelmäßig mit Niederschlags- und Stauwahrscheinlichkeit. Danach kommen Freizeitinformationen und Veranstaltungstipps (44 %), Informationen aus Wissenschaft, Forschung, Bildung und an fünfter Stelle Regionalnachrichten.
Erst danach rangieren Themen wie Sport, Kultur und Ratgeberinformationen. Das liegt daran, dass das konkrete Interesse bei Sport und Kultur individuellerer Natur ist und Ratgeber nicht kontinuierlich konsultiert werden.
Rapa Nui, chinesische Mauer und Osterinsel
Wikipedia ist in den letzten zehn Jahren mit 18 Millionen Einträgen in 279 Sprachen vermutlich die größte Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte geworden. Sie ist auf Platz sechs der beliebtesten Seiten in Deutschland. Auch der Sohn der Müllers beginnt jedes Referatsrecherche auf der Seite des digitalen Lexikons und findet dort schnell einen Einstieg ins Thema. Schließlich heißt „wiki“ ja auch schnell in der Sprache der hawaiianischen Ureinwohner, wie ein Blick bei wikipedia verrät. Derzeit gibt es Überlegungen, die Seite als erstes digitales Weltkulturerbe schützen zu lassen – die Seite wäre damit in derselben Liga wie die Freiheitsstatue in New York, die chinesische große Mauer oder die Berliner Museumsinsel.


