Digital Jan

Zwei Drittel aller deutschen Jugendlichen besitzen inzwischen einen eigenen PC oder Laptop. 95% aller Haushalte mit Kindern zwischen 12 und 19 Jahren haben einen Internetanschluss. Dies gilt natürlich auch für die Müllers und Sohn Jan. Im letzten Jahr wurde ein PC angeschafft und zu seinem Geburtstag im Juli gab es für ihn einen Laptop, der ihm nun in der ganzen Wohnung die Verbindung zum weltweiten Web ermöglicht und eben nicht nur im Wohnzimmer, wo ihm ja jederzeit Thomas oder Claudia über die Schulter schauen können.

Mittlerweile ist Jan zum echten Internet-Profi geworden, wie er selbst findet. Er navigiert gekonnt zwischen einem dutzend geöffneter Fenster und bringt seinen Lieblingsbrowser – den Internet Explorer – zum glühen. Allerdings nicht in erster Linie für langweilige Informationsrecherche – das kann zwar mal passieren, wenn Hausaufgaben anstehen, dann fragt er schnell das Orakel Wikipedia und schon ist der Kram vom Tisch – sondern vielmehr für die perfekte All-in-one-Unterhaltungs-Lösung. Hier kann er Radio hören, Filme bei YouTube anschauen, bei Myspace nach neuen Bands suchen und vor allem eines tun: mit seinen Freunden Kontakt aufnehmen.

Als Kommunikationsplattformen nutzt er dafür vor allem den Instant-Messenger ICQ. Hier kann er sich in Sekundenschnelle mit seinen Freunden unterhalten und mal schnell die Pläne für das Wochenende diskutieren. eMails sind angesichts dieser tollen Unmittelbarkeit für Jan schon fast antiquiert: „Das ist ja wie Briefe schreiben im Vergleich zum SMSen.“ (O-Ton Jan)

Neulich hat Jan im Fernsehen einen Bericht über eine Online-3D-Welt namens SecondLife gesehen. Davon hat er zum ersten Mal gehört, obwohl das scheinbar eine ganz große Nummer sein soll. Seinem Eindruck nach sieht das eher nach einer Nerd-Angelegenheit aus – so für Freaks, die sonst keine Freunde haben. Aber irgendwie auch interessant, was man da wohl so für Leute treffen kann?! Vielleicht schaut er es sich später mal an.

Seine absolute Lieblings-Website nach Google ist das SchülerVZ. Inzwischen ist dort fast seine ganze Klasse vertreten und man auch die coolen Mädels aus der Parallelklasse ganz locker anquatschen. Das ist viel einfacher als auf dem Pausenhof.  Auch sonst ist das SchülerVZ ein klasse Zeitvertreib: Hier kann man alte Freunde suchen, sich durch die Fotoalben der letzten Parties und Sommerurlaube klicken, den Kumpels was auf die Pinnwand posten oder das eigene Profil in regelmäßigen Abständen aufpolieren. Inzwischen checkt Jan fast täglich seinen Account, meistens direkt nach der Schule.

Natürlich weiß Jan auch über die Schattenseiten der Gemeinschaft Bescheid: Es ist ihm schon zu Ohren gekommen, dass gegen andere Nutzer virtuell gemobbt wurde. In seinem Freundeskreis ist so etwas jedoch zum Glück noch nicht passiert. Darüber ist er auch froh, denn das ist seiner Meinung nach nicht korrekt. Für ihn ist das SchülerVZ einfach ein Ort zum Freunde treffen, um sich zum Fußball zu verabreden und mal ungestört über Lehrer zu lästern.

So jetzt aber schnell zurück ins VZ, da hat ihn doch tatsächlich gerade seine Freundin gegruschelt.

Quellen: ARD/ZDF Onlinestudie 2008, Pressemitteilung StudiVZ (23. April 2008), Holger Schmidt: „SchülerVZ, noch eine Klichmaschine“ (auf FAZ.net am 9. Januar 2008), Alexander Hüsing: Soziale Netzwerke und ihre Nutzer“ (auf deutsche-startups.de am 29. Juni 2008), Universität der Bundeswehr München: “Zwischenbericht – Erste Ergebnisse zur Umfrage zur privaten Nutzung von Social Networking Services in Deutschland“ (2008)

Das Wohnzimmer geht online.

Die Müllers bekommen einen Internetanschluss.

Nachdem die Müllers lange Zeit zuhause auf Internet verzichten konnten und Thomas stattdessen an seinem Arbeitsplatz online ging, haben sich die beiden bereits Ende letzten Jahres dazu entschlossen, dass sie auch zuhause einen eigenen Anschluss brauchen. Den Ausschlag hatte damals die Urlaubsrecherche gegeben: Um die Kontaktdaten des Vermieters für die Usedomer Ferienwohnung raus zu finden, hatte Thomas bis dato bei der Arbeit einfach losgegoogelt. Das war eigentlich kein Problem, aber in Zukunft möchte er so etwas gerne zusammen mit Claudia machen – zumal die sowieso immer nörgelt, falls er etwas alleine entscheidet.
 Außerdem war die alte Computerecke ein ziemliches Trauerspiel:
Bisher stand ihr in die Jahre gekommener Rechner in einer kleinen Ecke im Flur und führte ein Nischendasein, obwohl gerade Thomas schon länger ziemlich viel Zeit daran verbringt. Seine Computerecke war allerdings nie so richtig über den Zustand eines Provisoriums hinaus gekommen: kein richtiger Computertisch, ein S/W-Drucker und außerdem keine Möglichkeit online zu gehen. Dazu der ganze Krempel (Druckerpapier, Rohlinge, ein alter, kaputter Joystick), der Claudia länger ein Dorn im Auge war.
 Im Zuge der Renovierung hat Thomas jetzt auch mal seinen Willen durchgesetzt.

Während Claudia das Wohnzimmer schon lange als „ihr Reich“ betrachtet, kam er sich dort immer ein wenig zu kurz gekommen vor (auch wenn er insgeheim natürlich total froh ist, dass sie sich um alles kümmert). Eine eigene Männer-Ecke hat ihm schon immer ein wenig gefehlt. Das wird sich jetzt ändern. Nachdem im Frühjahr Hand angelegt und ordentlich renoviert wurde, wird der neugewonnene Platz jetzt von Thomas in Anspruch genommen.
Natürlich ist der Rechner für alle da – aber vor allem für Thomas, ist es ein ganz persönliches Territorium. Hier kann er nicht nur Alltagskram erledigen (Korrespondenz mit Firmen und Behörden, Bücher zu Claudia Geburtstag bestellen, Urlaubsinfos raussuchen), sondern auch gemütlich seinen Hobbies nachgehen (Fußball, Formel 1, Familienfotos).

Zwar spielt Thomas eigentlich nie an seinem Computer (höchstens ganz selten mal mit einem der Standard-Microsoft-Spiele), aber einige seiner Freunde sind Freizeitspieler, die hin und wieder zur Zerstreuung “daddeln”. Von daher kennt Thomas bereits das eine oder andere Spiel und kann sich vorstellen, selbst in Zukunft mal öfter zum Joypad zu greifen. Zumal sein Sohn Jan auch seit einigen Jahren regelmäßig Computer spielt und schon ein kleiner Profi ist (weit mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen spielt regelmäßig und bezeichnet sich als „Fortgeschritten“). Auf dem neuen Computer werden Thomas und Jan also voraussichtlich hin und wieder auch gemeinsam Fun- und Sportspiele spielen. Für komplexe Spielszenarien fehlt Thomas dagegen die Zeit und die Muße – nach Feierabend will er nicht auch noch zuhause geistige Anstrengung.

 Zur Zeit ist er gerade dabei, den neuen „Arbeitsplatz“ einzurichten: Mit kleinen, persönlichen Erinnerungsstücken und Accessoires: Sportpokale, Modellautos, sowie Ausdrücke seines Fan-Seins (Schumi & FC Köln).
 Das ganze sieht Claudia natürlich mit gemischten Gefühlen, aber der Einzug des PC hat auch Vorteile: Das alte Sideboard konnte endlich (!) gegen ein neues von IKEA ausgetauscht werden. Dazu passt auch der neue Computertisch optisch perfekt, auf dem man außerdem all die Teile des Computers vernünftig und ordentlich unterbringen kann; ohne das ganze Gemülle. So wird aus der Ecke am Fenster (die immer schon ein wenig trist aussah) jetzt ein richtig nützlicher Platz.

Hier findet der „Deutschland“-PC seinen Platz.

Der neue Computer ist eigentlich gar nicht neu. Denn den „Deutschland“-PC von Fujitsu-Siemens hatte sich ein Kollege von Thomas schon vor drei Jahren gekauft. Da dieser aber schon wieder einen neuen Rechner wollte, hat Thomas die Chance genutzt und das gebraucht Stück übernommen. Der PC kann ja auch alles, was Thomas so braucht – und noch ein bisschen mehr: Ein Intel-Pentium-Prozessor, DVD-Laufwerk inkl. Brenner und aller Programme, die das Herz begehrt (XP Home Edition mit Works Suite 2003). Auch der Drucker ist super: der Deskjet 5940 von Hewlett Packard kann sogar die Familienfotos ausdrucken. Seinen alten Monitor hat er erstmal behalten: einen Fujitsu X192 Röhrenmonitor, 19 Zoll mit Sony Trinitron Röhre.

Auf geht’s in Netz.

Thomas findet, dass mit dem neuen DSL-Anschluss das Surfen im Internet eine ganz neue Qualität bekommt. Keine ewigen Ladezeiten, wie er es von einigen der alten Rechnergurken im Büro kennt, sondern ratz-fatz die Sachen, die man sucht. Und es gibt einiges zu tun: Neben aktuellen Nachrichten und Sportergebnissen beschäftigt Thomas zur Zeit vor allem das Thema Sommerurlaub: Es geht wohl wieder nach MeckPomm dieses Jahr… aber wohin genau? Im Internet lassen sich Ferienorte und mögliche Pensionen super raussuchen und vergleichen. Auf Claudias Drängen hat er auch gleich bei Amazon einen Reiseführer MeckPomm bestellt… toll, wie einfach das heute geht. Und als er gerade dabei war, hat er auch gleich mal neue Handys angeguckt (sein Vertrag läuft nämlich bald aus und er kann sich bei Verlängerung ein neues Modell aussuchen).

Claudia kann bisher nicht sonderlich viel mit dem neuen Rechner anfangen. Klar war sie auch schon ein paar Mal im Internet – sie ist ja nicht von vorgestern. Aber was Thomas und Jan da alles machen, interessiert sie nicht so. Außer vielleicht, was Thomas hin und wieder abends lange vor dem Rechner treibt.
 Auch die Tatsache, dass jetzt nebenbei “gesurft” wird, während sie in Ruhe ihre Vorabendserie guckt, ist gewöhnungsbedürftig. Eigentlich hatten sie sich doch vorgenommen, mehr zusammen zu unternehmen und nun sitzt doch wieder einer vor dem PC und einer vor dem Fernseher.

Aber z.B. für die Urlaubsplanung ist der neue Internetanschluss schon super: Nicht nur, dass man gleich Fotos von Urlaubsorten und Pensionen begutachten kann. Auch über die Geschichte der Kaiserbäder hat sie sich bei Wikipedia schlau gemacht.
 Und sie hat auch gleich mal die Wetteraussichten für die Ostsee überprüft, obwohl es noch eine ganze Weile dauert bis zum Sommerurlaub.

pc ecke  Das Wohnzimmer geht online.

(Quellen: Spielplatz Deutschland, Internet Facts 2006, AWA, ACTA, VA, TdWi, Wohnen & Leben 6, CHIP Online, Zeitschrift „Das Haus“, Google, Lycos, AGOF, SirValUse, Typologie der Wünsche)