Umweltschutz beginnt im Geldbeutel.

30. Nov. 2009 von Toan Nguyen  

„Der Klimawandel macht uns Angst“

Obwohl das Thema schon seit langer Zeit von der Finanzkrise überschattet wird, sorgen sich Claudia und Thomas weiterhin um die Umwelt und die Probleme, die der Klimawandel mit sich mitbringt. Erst neulich haben sie sich wieder über das Thema unterhalten. Claudia war schockiert, da sie eine Reportage über das Töten und Sterben von Robbenbabys gesehen hatte. „Die tun mir so leid – denen muss man doch irgendwie helfen können … “. Thomas vertritt da eine andere Meinung: „Da kannst du als einzelne Person gar nichts machen. Unser Verhalten ändert doch nichts (30%). Die Regierung, die großen Firmen und die Industrie – die müssten als erstes etwas dagegen unternehmen (42%).

„Also ich glaube nicht, dass wir hier in Deutschland groß was machen können, um diese Probleme zu lösen (finden 62%, Quelle: BMU). Die größten Umweltverschmutzer sind doch die Amerikaner. Die müssen endlich mal was ändern!“

„Für die Umwelt tun wir nur dann etwas, wenn wir auch selbst ein wenig davon profitieren“

Wie 87% der Deutschen trennen auch die Müllers ihren Hausmüll. Thomas und Claudia finden, dass sie damit einen Beitrag für die Umwelt leisten. Außerdem achten sie in letzter Zeit vermehrt darauf Energie und Wasser zu sparen (79% und 72%). Das heißt: Es werden nur noch Energiesparlampen gekauft und der Wasserhahn bleibt beim Einseifen konsequent aus. Aber auch um die Brötchen zu besorgen, nutzt Claudia nicht länger das Auto, sondern geht zu Fuß. Ein bisschen Bewegung schadet ja nicht. Sie wollte sowieso abnehmen (geringere Nutzung des Autos, 34%). Bei aller Umweltliebe geht es jedoch immer wieder um den eigenen Geldbeutel. Die meisten Deutschen tun nämlich nur dann etwas, wenn es auch dem eigenen Geldbeutel dient. Einen viel zu teuren Toyota Prius etwa oder einen aufwendigen Umbau des Familienwagens auf Biokraftstoff würden auch die Müllers nie in Betracht ziehen.

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Quelle: Interviews mit den Wozi Familien.

Das WoZi bei JBK

03. Nov. 2009 von admin  

Zum zweiten Mal wurden wir mit unserem Projekt bei Johannes B. Kerner eingeladen, der sich auf die Suche nach dem Durchschnittsdeutschen machte und das JvM-Wohnzimmer kurzerhand in sein Studio verlegte. Die Sendung präsentierte 75 durchschnittsgeladene Minuten mit Gästen wie der deutsch-amerikanischen Entertainerin Gayle Tufts, dem Autor Roger Willemsen, dem Journalisten Sven Lorig, dem ZDF-Rechtsexperten Bernhard Töpper sowie Deutschlands Durchschnittsexpertin und erfolgreichster Werbefrau Karen Heumann.

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Die Sendung ist in der ZDF-Mediathek im Stream abrufbar. Viel Spaß dabei wünschen Thomas und Claudia.

Hier der Link …

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/748514

Die Qual der Wahl

Dieses Jahr war es wieder soweit. Bundestagswahlen standen an. Ein Thema, das auch die Müllers beschäftigte. „Natürlich geh ich wählen“, so Thomas, „das ist doch der einzige Einfluss auf die Politik, den ich ausüben kann“. Claudia ist da eher skeptischer. Sie meint, irgendwie würden doch eh alle Parteien das gleiche versprechen und im nach hinein sowieso nicht einhalten. Sie wüsste gar nicht, wo sie ihr Kreuzchen machen solle. Eine ähnliche Einstellung haben zwei der Drittel der Nichtwähler. Aber gar nicht zu wählen, fände sich auch nicht gut. Tatsächlich war die Wahlbeteilung nie so gering wie dieses Jahr. Gerade mal 70% machten Gebrauch von ihrem Wahlrecht.

Interessantes Ergebnis, da nie zuvor mehr Aufwand der Parteien betrieben wurde, die Wähler in ihren Bann zu ziehen. Doch leider schreckte dies viele eher ab, als die Wahlfreude anzukurbeln. Ein schönes Tool sei aber der Wahl-O-Mat, so Claudia. Wenn einem der Überblick fehle, hätte man dort immerhin die Möglichkeit der Orientierung. Ob man sich nun für vorgegebene oder doch eine andere Partei entscheide, liege ja in der eigenen Hand.

Da Jan noch nicht volljährig ist und eh nicht wählen darf, interessiert ihn die Bundestagswahl eher weniger. Ihm ist jedoch aufgefallen, dass selbst in seinem geliebten SchülerVZ die Werbetrommel gerührt wird. Manche Politiker haben sogar ein eigenes Profil, wobei er sich nicht sicher ist, ob das nicht irgendjemand spaßeshalber angelegt hat. Auch auf youtube habe er einige Spots und Mitschnitte von Reden entdeckt, sich diese aber nicht richtig angeschaut. „Wenn ich wählen dürfte, dann würde ich Horst Schlämmer mein Kreuzchen geben“, so Jan, der sich Hape Kerkelings Film „Isch kandidiere“ angesehen hat.

Ob sie mit dem Wahlergebnis zufrieden seien, wüssten sie noch nicht. „Wir haben was anderes gewählt. Jetzt heißt es erstmal abwarten, was die neue Regierung auf die Beine stellt“, sind sich Thomas und Claudia einig. An ein Wunder glauben beide nicht.

Die ewige Finanzkrise

11. Apr. 2009 von admin  

finanzkrise

„Sorgen um den Arbeitsplatz machen wir uns nicht.“

Zwar hat ein Großteil der deutschen Familien im Bekanntenkreis schon von Kurzarbeit, Insolvenzen oder Kündigungen gehört, doch ist der eigene Arbeitsplatz in ihrer Wahrnehmung nicht in unmittelbarer Gefahr. (Laut Tagesthemen befürchten 67% nicht, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.) Auch dem eigenen Arbeitgeber wird Vertrauen ausgesprochen. Thomas und Claudia sind fest davon überzeugt, dass ihre Firma die Finanzkrise überstehen wird. (77% der Deutschen vertrauen laut Presseportal.de ihrem Arbeitgeber.)

„Alles ziemlich schlimm, aber mit uns hat das erstmal nichts zu tun!“

Bislang fühlen sich Thomas und Claudia von der Finanzkrise noch nicht betroffen. (68% der Deutschen sehen sich von der Finanzkrise bislang nicht betroffen.) Geld haben sie keines verloren, das Gehalt kommt noch immer pünktlich jeden Monat und auch um ihre Ersparnisse machen sie sich kaum Sorgen. (Laut BamS haben 74% der Deutschen keine Angst um den Wert ihrer Ersparnisse.)

Die Finanzkrise hat somit noch keinen Einfluss auf das Konsumverhalten der Müllers. Noch immer ist der Kühlschrank mit den gleichen Produkten gut gefüllt und das Freizeitverhalten (Regelmäßigkeit der Restaurant- und Kinobesuche etwa) hat sich nicht verändert. (Der GfK-Konsumklima-Index ist seit September 2008 jeden Monat sogar leicht gestiegen. Nur im April 2009 gab es einen leichten Rückgang.)

Lediglich größere Anschaffungen werden jetzt kritischer bewertet. Der Flachbildschirm zum Beispiel, den sich Thomas schon seit Monaten wünscht, soll erst angeschafft werden, wenn das alte Gerät seinen Geist aufgibt.

„Beim Urlaub sparen wir definitiv nicht.“

Die Müllers wollen auch dieses Jahr definitiv in den Urlaub fahren. (62% der Deutschen wollen ihren nächsten Urlaub aufgrund der Finanzkrise nicht streichen.) Ein größeres Urlaubsbudget als im letzten Jahr ist allerdings auch nicht drin. (50% der Deutschen sind nicht bereit, tiefer in die Tasche zu greifen.)

Ein Sparurlaub soll es aber deshalb nicht werden: Claudia und Thomas wollen schon auf dem gewohnten Niveau verreisen. (56% gaben an, sich trotz Finanzkrise keine Gedanken um andere Urlaubsformen zu machen.) Dafür ist Urlaub einfach zu wichtig. Bevor die Müllers auf die zweiwöchige Auszeit im Sommer verzichten, wird an anderer Stelle gespart: z.B. bei der Kleidung oder Elektrogeräten. (Auf die Frage, auf was die man im kommenden Jahr am wenigsten verzichten könne, antworteten 32% mit „Urlaub“. Am ehesten einschränken können sich die meisten bei Elektrogeräten und Markenkleidung.)

Somit steht eines fest: „Lieber nackt und ohne ipod – aber Urlaub muss sein!“

„Wer Schuld hat? Ganz klar die da oben.“

Thomas und Claudia ärgern sich (51% der deutschen sind angesichts der Finanzkrise verärgert.): Fragt man sie, wer an der Misere eigentlich Schuld hat, verweisen sie ganz klar auf „die da oben“. Top-Manager, die aus Gier unnötige Risiken eingegangen sind, und insbesondere Banken und Großkonzerne sind aus ihrer Sicht verantwortlich. (52% der Deutschen haben wenig oder kein Vertrauen mehr in die Top-Manager, die deutschen Banken und Großkonzerne lenken.)

Diese Unzufriedenheit mit der deutschen Wirtschaftselite äußert sich auch in einer kritischen Bewertung derer Gehälter: Die Müllers sind überzeugt, dass Spitzenmanager deutlich weniger verdienen sollten als bislang. Da stimmen sie ganz mit  Peer Steinbrück und seiner Forderung nach einer Begrenzung der Jahresgehälter auf max. 500.000 Euro überein. (Fast die Hälfte – 43% – der Deutschen sind dieser Ansicht.)

Für die Müllers ist die Finanzkrise nur ein weiterer Beweis für eine wachsende Gerechtigkeitslücke in Deutschland. (Dass es in Deutschland alles in allem eher ungerecht zugeht, finden 58% der Bundesbürger.)

„Die Finanzkrise nervt inzwischen.“

Claudia und Thomas sind inzwischen genervt von der Finanzkrise. (54% der Deutschen sind genervt.) Insbesondere die Medien haben dazu beigetragen, da man dem Thema ja eigentlich seit Monaten kaum noch entgehen kann. Im letzten Jahr muss die Krise wohl das am meisten besprochene Thema gewesen sein! (Die Finanzkrise war mit 1825 Min. Sendedauer Top-Nachrichtenthema von ARD, ZDF, RTL und Sat. 1 in 2008.)

Nicht, dass Thomas und Claudia das Thema nicht wichtig finden. Nerven tut vor allem das Gefühl, dass die Situation keinen Deut besser wird. (Laut Rheingold ist die gefühlte Unsicherheit und der Ärger vor allem auf die Bedrohungskulisse und das damit verbundene Stress-Potenzial zurückzuführen, die durch die Finanzkrise ausgelöst werden. Die Menschen wünschen sich diesbezüglich Entlastung.)

„Eigentlich müssen wir zugeben, kaum etwas über die Finanzmärkte zu wissen.“

Angesichts der Komplexität der Finanzsysteme fühlen sich die Müllers ohnmächtig. Ganz ehrlich geben sie zu, dass sie da nicht mehr durchblicken. (61% der Deutschen geben an zu wenig Wissen über das Finanzsystem zu haben.). Zwar verstehen auch sie, was eine Aktie ist und wie eine Lebensversicherung oder Online-Banking funktioniert. Die großen Strukturen über die jetzt aber von der Politik und den Medien gesprochen wird und insbesondere die unvorstellbar hohen Geldbeträge, mit denen man versucht das System zu stabilisieren, machen ihnen aber Angst. Thomas vergleicht die Situation gern mit einem Fiebertraum, der jeder Logik entbehrt und mit rasender Geschwindigkeit ähnlich einem Krebsgeschwür wuchert.

„Unsere Steuergelder für die Banken? Nicht mit uns!“

Die Müllers ärgern sich zutiefst darüber, dass letztlich der Steuerzahler blechen muss. (Wie stattliche 95% der Deutschen.)

Claudia und Thomas sind also nicht der Meinung, dass nun der Steuerzahler in die Bresche springen sollte und finden es nicht richtig, dass sich momentan beim Thema Neuverschuldung sämtliche Grenzen in Luft auflösen. (Laut Stern finden es 54% nicht richtig, dass der Staat sich momentan so hoch neuverschuldet.)

Die Beiden haben zudem das Vertrauen in das Finanz- und Wirtschaftssystem verloren. (71% der Deutschen geben dies an.) Vor allem die milliardenschwere Rettung von Banken und Versicherungen betrachten sie mit zunehmender Skepsis, während eher praktische Branchen unter denen man sich etwas vorstellen kann, viel eher mit ihrer Unterstützung rechnen können. Sie sind daher vehement gegen die Subventionierung der Finanzbranche mit Steuergeldern, aber durchaus für eine Unterstützung der Bauindustrie. (83% der Deutschen sind laut Harris Interactive gegen die Unterstützung von Versicherungen, 75% sind gegen die Rettung von Banken durch Steuergelder, nur 57% sind gegen die Rettung von Autoherstellern, nur 45% sind gegen die Rettung von Baufirmen.)

„Die Banken müsste man verstaatlichen.“

Eigentlich sind die Müllers in ihrem Weltbild recht liberal, doch in letzter Zeit empfinden sie mehr und mehr Sympathie für linke Positionen. Sie können der Idee, Banken im Notfall zu verstaatlichen oder zumindest durch Beteiligung zu kontrollieren, einiges abgewinnen. Denn seien wir mal ehrlich: Wer mit Milliarden Euros vom Steuerzahler gerettet wird, sollte diesem doch wohl auch Mitspracherrechte einräumen. (60% der Deutschen sind laut Stern dafür Banken im Notfall zu verstaatlichen.) Den Banken allein trauen die Beiden jedenfalls nicht mehr (70% der Deutschen äußerten offenes Misstrauen gegenüber Banken und Versicherungen.)

Die Idee des starken Staates in der Wirtschaft geht allerdings noch weiter: Angesichts der Ohnmacht gegenüber dem Preisdiktat der Energiebranche stößt der Vorschlag auch Energiekonzerne – im Interesse der Beschäftigten, der Verbraucher und der Umwelt – in die öffentliche Hand zu überführen und staatlich zu kontrollieren bei Thomas und Claudia auf offene Ohren. (Dem stimmen 59% der gesamten Bevölkerung zu.) Auch Schlüsselunternehmen sollten ihrer Ansicht nach mehr vom Staat gelenkt werden. (Eine staatliche Beteiligung an den Schlüssel-Unternehmen befürwortet mit 51% eine knappe Mehrheit der Deutschen.)

Diese Haltung von Thomas und Claudia gründet vor allem auf der Überzeugung, dass der Staat noch am ehesten mehr Sicherheit und Kalkulierbarkeit garantieren kann. Denn: Derjenige, der gewählt wird, sollte doch stärker die Interessen der breiten Masse berücksichtigen als ein rein nach wirtschaftlichen Regeln funktionierendes Unternehmen.

„Wir waren schon immer der sicherheitsbewusste Anleger.“

Thomas und Claudia gehen bei ihren Geldanlagen eher auf Nummer sicher. Wie die meisten Deutschen(52%) geben sie an, überwiegend sicherheitsorientierte Anlagen zu besitzen. (Nur 9% der Deutschen sind risikofreudiger und setzen auf überwiegend renditeorientierte Bankanlagen. Über ein ausgewogenes Portfolio – also gleich viele sicherheits- und renditeorientierte Anlagen – verfügt ein Fünftel der Deutschen – 21%.)

Claudia und Thomas verfügen über ein Sparbuch (69%) für das Ersparte und ein Girokonto (96%) für den monatlichen Gehaltseingang und den täglichen Finanzbedarf. Auch einen Bausparvertrag nennen sie ihr Eigen (47%). Renditestärken „neumodischen“ Anlageformen vertrauen sie jedoch nicht: Die Müllers besitzen weder ein Tagesgeldkonto (32%), keinen Aktienfonds (25%) und schon gar keine wackeligen Zertifikate (4%).

Die Struktur des persönlichen Anlageportfolios korreliert stark mit der individuellen wirtschaftlichen Lage: Risikoreichere Anlagen werden meist erst dann gewählt, wenn der Bedarf an Sicherheit und Liquidität gedeckt ist. Die meisten Haushalte (46%) halten zwei bis drei verschiedene Anlageformen.

„Klar, dass wir jetzt auch was auf die hohe Kante legen.“

Die Deutschen sparen so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die privaten Haushalte haben im ersten Halbjahr durchschnittlich 180 Euro pro Monat auf die hohe Kante gelegt, das sind zehn Euro mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden fast 89 Milliarden Euro beiseite gelegt – auch, um für den Konjunkturabschwung gewappnet zu sein. Für die Sparquote wird für dieses Jahr eine Steigerung von 10,8 auf 11,2 Prozent prognostiziert. Das entspreche einem Betrag von 177 Milliarden Euro.

In den letzten Monaten hat sich diese Sparneigung noch verschärft: Etwas mehr Bürger als noch im Oktober geben an, sie hätten einen Teil ihrer Ersparnisse anders angelegt, um sich vor Verlusten zu schützen. Dieser Anteil stieg von 20% auf nunmehr 26%.

Das Bedürfnis nach Sicherheit zeigt sich auch in der Wahl des Finanzinstituts. Gerade die gefühlt sicheren Sparkassen legen zu: Die Hamburger Sparkasse, größte von insgesamt 443 Sparkassen in Deutschland, zählt 500 neue Kunden und 500 Millionen Euro mehr Einlagen als noch Mitte September. Das zweitgrößte Institut, die Sparkasse Köln-Bonn, nahm im gleichen Zeitraum 355 Millionen Euro zusätzlicher Einlagen ein, und die Stadtsparkasse München spricht von 200 Millionen Euro.

„Unser Anlageverhalten hat sich eigentlich nicht verändert.“

Angesichts des sehr konservativen Portfolios der Müllers gab es für sie nach dem Finanzmarkt-Crash nicht das Bedürfnis ihr Anlageverhalten zu verändern: Noch sicherer als bisher geht es schlichtweg nicht. (Für 74% der Deutschen hat sich laut Comdirect der Umgang mit Geld und das Anlageverhalten nicht verändert.)

„Geld haben wir keines verloren.“

Da die Müllers nicht über gefährdete Anlagen verfügten (siehe obigen Punkt zum Anlageverhalten der Deutschen), waren sie auch nicht direkt finanziell von der Finanzkrise betroffen. (Der Anteil der Anleger, die Anlagen der betroffenen Institute – Lehmann Brothers, Kaupthing etc. – hielten, kann als verschwindend gering betrachtet werden.)

„Die Politiker haben doch schon lange den Überblick verloren.“

Der Politik trauen Thomas und Claudia – im Vergleich etwa zur freien Wirtschaft – zwar noch am meisten (mehr als z.B. den Finanzinstituten). Allerdings ist hält sich das Vertrauen deutlich in Grenzen. Sie sind wie ein Großteil ihrer Mitbürger recht desillusioniert angesichts des Einflusses staatlicher Kontrollversuche. (52% der Deutschen sagen, dass die Bundesregierung angesichts der Kreditkrise den Überblick verloren hat.)

Einzelpersonen kommen diesbezüglich besser weg: Allen voran Barack Obama. In ihm projizieren Thomas und Claudia tatsächlich so etwas wie Hoffnung. Seine Erlöserbotschaft „Yes, we can.“ kommt bei ihnen sehr gut an. Thomas findet, dass der junge amerikanische Präsident die Kraft ausstrahlt, tatsächlich etwas verändern zu können. Gleichzeitig ist er auch der Meinung, dass nur im Ausgangsland der Krise – gewissermaßen an der Wurzel allen Übels – eine Lösung gefunden werden kann. Deutschen Politikern wird in dieser Hinsicht weniger Lösungskompetenz zugesprochen (Laut Tagesthemen trauen 80% Obama die Lösung der Krise zu, 58% Angela Merkel und 55% der EU.)

„Jan ist ganz zuversichtlich. Bis der arbeiten muss, ist eh alles wieder gut.“

Jan tangiert die Finanzkrise wenig: Sicher macht er sich manchmal Sorgen um den Arbeitsplatz seiner Eltern, aber ein echtes Gesprächsthema ist es für ihn nicht. Auch die der breiten Mitte der Gesellschaft weit verbreiteten diffusen Skepsis angesichts der Zukunft schaut seine Generation eher zuversichtlich in die Zukunft (56% der 18-24jährigen sind optimistisch, während die mittlere Generation der 45-59jährigen –47% – sowie die ältere Generation der über 60jährigen –44% – einen Einbruch des Lebensstandards befürchtet.)

Ob diese divergierenden Einschätzungen in der Naivität junger Menschen wie Jan oder aber in der fehlenden Flexibilität der Claudia-Thomas-Generation begründet liegt, sei dahingestellt.

„Das Schlimmste kommt vermutlich noch.“

Claudia und Thomas sind der festen Überzeugung , dass den Deutschen das Schlimmste noch bevorsteht. (76% der Deutschen vertreten laut Tagesthemen diese Meinung.) Für 2009 herrscht jedoch knappmehrheitlich noch positive Stimmung: Für dieses Jahr hoffen Thomas und Claudia noch mit einem blauen Auge davon zu kommen. (49% sind laut Ernest&Young der Meinung, dass sich ihre finanzielle Lage in diesem Jahr nicht verschlechtern wird.)

Es herrscht somit eher ein Klima diffuser Angst vor der längerfristigen Zukunft, als dass die Müllers klar benennen könnten, wo vor sie sich fürchten.

Die schmutzigen Details aus dem Leben der Müllers

10. Feb. 2009 von admin  

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„Unser Sexleben ist gut – aber ein bisschen eingeschlafen.“

Zwar haben Thomas und Claudia immer noch zwei Mal pro Woche Sex (genau wie 75% der Deutschen) und bewerten sich ganz selbstbewusst als gut im Bett (genau wie 66% der Deutschen) –  wunschlos glücklich sind sie aber dennoch nicht. Während Thomas sich nach häufigeren Intimitäten (61% der Männer) sehnt, wünscht sich Claudia mehr Abwechslung (50% der Frauen). Gründe für das ruhigere Sexleben sieht Thomas in der fehlenden Lust Claudias (64% der Deutschen behaupten dies über ihren Partner), während Claudia Thomas’ beruflichen Stress verantwortlich macht (43% der Deutschen behaupten dies über ihren Partner).

Thomas mag am Liebsten Oralverkehr, Claudia bevorzugt die klassische Missionarsstellung.

Für den deutschen Mann ist der Blow Job das höchste der Gefühle – er rangiert auf Platz 1 der Lieblingsstellungen und ist männliche Sexphantasie Nummer 1. So auch bei Thomas. Alternativ findet er die Reiterstellung toll, in der Claudia „die Arbeit übernimmt“.

Claudia dagegen bevorzugt den Missionar und sinnliche Massagen sind ihre  Lieblingsphantasie. Aber immer nur Kuschelsex ist auch nicht ihr Geschmack. Im Gegenteil: manchmal mag sie es auch, wenn Thomas sie ein bisschen fester anpackt –  zweitliebste Stellung ist für sie die Hündchenstellung.

„Wir brauchen keinen Sex wie im Porno, aber Licht aus muss auch nicht sein!“

53% der Deutschen bestätigen: Sexleben wie im Porno muss nicht sein. So auch bei Claudia und Thomas: Gleitgel und einen Vibrator haben sie nicht im Haus (Gleitgel: 32% der Deutschen, Vibrator: 21% weltweit), aber sie besitzen ein Massage-Öl (wie bei 51% der Deutschen). Ob Licht aus oder an, das ist Claudia beim Sex völlig egal (so wie 52% der deutschen Frauen) – schließlich kennt man sich nach den vielen Jahren mit all seinen Fehlern.

„Eine halbe Stunde ist locker drin!“

Durchschnittlich hat das Ehepaar Müller 36 Minuten Sex. Dabei entfallen 18,5 Minuten auf das Vorspiel und 17,6 Minuten auf den eigentlichen Geschlechtsverkehr.

„Sex im Freien? Das hatten wir bisher noch nicht“

Nur 47% der Deutschen haben Erfahrung mit Outdoor-Sex. Zwar träumen Thomas und Claudia von Sex im Auto (für 50% die beliebteste Phantasie), am Strand (47%) oder im Park (39%) – aber ergeben hat es sich nie. Stattdessen ist die Wohnung beliebtester Sexspielplatz: am Häufigsten haben die Deutschen im Schlafzimmer Geschlechtsverkehr, gefolgt von Badezimmer, Wohnzimmer und Küche.

„Einen Orgasmus vortäuschen? Das hat doch fast jede Frau schon mal gemacht!“

Falls es bei Claudia mit dem Höhepunkt nicht klappt, scheut sie sich nicht, auch mal zu schummeln: So wie 70% der deutschen Frauen (Basis: Frauen zwischen 20-35 Jahre) hat auch sie Thomas schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht. Und leider muss sie das seit ihrer Heirat öfter tun: Während sie damals – als unverheiratete Frau –  jedes zweite Mal bei Thomas im Bett gekommen ist, reicht es in der Rolle als Ehefrau nur fast jedes dritte Mal zum Orgasmus. Thomas dagegen konnte seine Orgasmushäufigkeit im Laufe der Ehejahre sogar minimal steigern (von 77%-iger Höhepunktswahrscheinlichkeit auf 80%).

„Wenn es um sexuelle Wünsche geht, hat Thomas das Wort.“

Angelegenheiten, wie Flauten im Bett oder neue Sexpraktiken, werden in der Beziehung eher von Thomas thematisiert. Er spricht ganz offen aus, was er sich im Schlafzimmer wünscht (so wie 62% der Männer), während Claudia sich auf diesem intimen Themengebiet etwas leiser artikuliert (nur 53% der Frauen reden offen über sexuelle Wünsche).

„Selbstbefriedigung und Fremdgehen kommt natürlich auch bei uns vor.“

Thomas onaniert wöchentlich (53%), während Claudia diesem Verlangen wesentlich seltener nachgibt (nur 27% der Frauen befriedigen sich wöchentlich selbst).  Einen Seitensprung gab es auch schon: 37,1% der Männer und 38,9% der Frauen geben einen solchen Fehltritt zu. Aber wo genau fängt Fremdgehen  an? In Thomas’ Augen bedeutet es Geschlechtsverkehr (44% der Männer), während in Claudias Augen auch Küssen schon als Fremdgehen zählt (Küssen: 39% der Frauen, Sex: 38% der Frauen). Insgesamt hatten Claudia und Thomas in ihrem Leben 6 Sexpartner, darunter aber kein One-Night-Stand (nur 36% der Deutschen haben ein solches erlebt).

„Der größte Lustkiller ist, wenn Thomas Mundgeruch hat!“

Bringt ein Mann ungebetene Gerüche mit ins Bett, sehen Frauen rot. Für Claudia steht dabei an erster Stelle der Mundgeruch (für 91% der Frauen Abturn Nummer 1), kurz gefolgt von unangenehmen Gerüchen in der erogenen Zone (für 82% der Frauen Abturn Nummer 1). Aber neben Gepflegtheit erwartet Claudia auch von Thomas, dass er sich Zeit für sie nimmt: ein Vorspiel wünschen sich 72% der deutschen Frauen von ihren Partnern und sofortiges Einschlafen nach dem Sex wird überhaupt nicht gern gesehen (60% der Frauen).

„Bei Jan und seiner Freundin war es mit 16 Jahren so weit.“

Jan wurde von seinen Eltern aufgeklärt (so wie 65% der deutschen Jungen), sodass er bei seinem ersten Mal bereits eingehend über Verhütung bescheid wusste. Das Ereignis „erstes Mal“  hat er mit seiner Freundin genau geplant (so wie 63% der deutschen Jungen) und mit Kondom verhütet (66% der deutschen Jungen).

Quellen: Durex Sexreport 2007 und 2008, Pro 7 Sexreport, Neon Magazin

Digital Jan

Zwei Drittel aller deutschen Jugendlichen besitzen inzwischen einen eigenen PC oder Laptop. 95% aller Haushalte mit Kindern zwischen 12 und 19 Jahren haben einen Internetanschluss. Dies gilt natürlich auch für die Müllers und Sohn Jan. Im letzten Jahr wurde ein PC angeschafft und zu seinem Geburtstag im Juli gab es für ihn einen Laptop, der ihm nun in der ganzen Wohnung die Verbindung zum weltweiten Web ermöglicht und eben nicht nur im Wohnzimmer, wo ihm ja jederzeit Thomas oder Claudia über die Schulter schauen können.

Mittlerweile ist Jan zum echten Internet-Profi geworden, wie er selbst findet. Er navigiert gekonnt zwischen einem dutzend geöffneter Fenster und bringt seinen Lieblingsbrowser – den Internet Explorer – zum glühen. Allerdings nicht in erster Linie für langweilige Informationsrecherche – das kann zwar mal passieren, wenn Hausaufgaben anstehen, dann fragt er schnell das Orakel Wikipedia und schon ist der Kram vom Tisch – sondern vielmehr für die perfekte All-in-one-Unterhaltungs-Lösung. Hier kann er Radio hören, Filme bei YouTube anschauen, bei Myspace nach neuen Bands suchen und vor allem eines tun: mit seinen Freunden Kontakt aufnehmen.

Als Kommunikationsplattformen nutzt er dafür vor allem den Instant-Messenger ICQ. Hier kann er sich in Sekundenschnelle mit seinen Freunden unterhalten und mal schnell die Pläne für das Wochenende diskutieren. eMails sind angesichts dieser tollen Unmittelbarkeit für Jan schon fast antiquiert: „Das ist ja wie Briefe schreiben im Vergleich zum SMSen.“ (O-Ton Jan)

Neulich hat Jan im Fernsehen einen Bericht über eine Online-3D-Welt namens SecondLife gesehen. Davon hat er zum ersten Mal gehört, obwohl das scheinbar eine ganz große Nummer sein soll. Seinem Eindruck nach sieht das eher nach einer Nerd-Angelegenheit aus – so für Freaks, die sonst keine Freunde haben. Aber irgendwie auch interessant, was man da wohl so für Leute treffen kann?! Vielleicht schaut er es sich später mal an.

Seine absolute Lieblings-Website nach Google ist das SchülerVZ. Inzwischen ist dort fast seine ganze Klasse vertreten und man auch die coolen Mädels aus der Parallelklasse ganz locker anquatschen. Das ist viel einfacher als auf dem Pausenhof.  Auch sonst ist das SchülerVZ ein klasse Zeitvertreib: Hier kann man alte Freunde suchen, sich durch die Fotoalben der letzten Parties und Sommerurlaube klicken, den Kumpels was auf die Pinnwand posten oder das eigene Profil in regelmäßigen Abständen aufpolieren. Inzwischen checkt Jan fast täglich seinen Account, meistens direkt nach der Schule.

Natürlich weiß Jan auch über die Schattenseiten der Gemeinschaft Bescheid: Es ist ihm schon zu Ohren gekommen, dass gegen andere Nutzer virtuell gemobbt wurde. In seinem Freundeskreis ist so etwas jedoch zum Glück noch nicht passiert. Darüber ist er auch froh, denn das ist seiner Meinung nach nicht korrekt. Für ihn ist das SchülerVZ einfach ein Ort zum Freunde treffen, um sich zum Fußball zu verabreden und mal ungestört über Lehrer zu lästern.

So jetzt aber schnell zurück ins VZ, da hat ihn doch tatsächlich gerade seine Freundin gegruschelt.

Quellen: ARD/ZDF Onlinestudie 2008, Pressemitteilung StudiVZ (23. April 2008), Holger Schmidt: „SchülerVZ, noch eine Klichmaschine“ (auf FAZ.net am 9. Januar 2008), Alexander Hüsing: Soziale Netzwerke und ihre Nutzer“ (auf deutsche-startups.de am 29. Juni 2008), Universität der Bundeswehr München: “Zwischenbericht – Erste Ergebnisse zur Umfrage zur privaten Nutzung von Social Networking Services in Deutschland“ (2008)

Rauf auf’s Sofa!

Geschafft… endlich Feierabend!

Thomas sucht in seiner Hosentasche nach dem Wohnungsschlüssel und öffnet die Tür. Jetzt heißt es erstmal: Entspannen. Das machen die Müllers in ihrer Freizeit am liebsten. Und nach so einem harten Arbeitstag hat sich Thomas das Ausspannen auch mehr als verdient. Ebenso wie das leckere Abendbrot, mit dem Claudia und Jan bereits auf ihn warten. Zu Abend essen die drei immer gemeinsam. So viel Familie muss sein!

Danach schnappt sich Thomas ein Bier aus dem Kühlschrank und verzieht sich aufs Sofa. Hätten die Müllers einen Balkon oder eine Terrasse, wäre das im Sommer sicherlich auch eine Feierabend-Option. Aber selbst dann gilt: Das Sofa ist und bleibt die unangefochtene Nummer eins. Wie beliebt das Möbelstück ist, wird bereits klar, schaut man sich an, wie lange es in deutschen Wohnzimmern verweilen darf: Ganze 10 Jahre sind das im Durchschnitt. Also wird sich Thomas noch eine Weile auf der orangen Couch räkeln können.

Gerade hat er sich die Fernbedienung geschnappt und zappt durch die Programme. Fernsehen ist eben immer noch das Größte. Und auch damit ist der Familienvater nicht allein. Mit 97 % Zustimmung ist es bei weitestem immer noch die beliebteste Freizeitaktivität in Deutschland. Und wenn Thomas es sich erstmal auf den Polstern gemütlich gemacht hat, so ist er so schnell auch nicht mehr davon weg zu bewegen. Schließlich kann er von hier aus alles prima erledigen: Wenn er auf Fernsehen keine Lust mehr hat, schnappt er sich eben den Telefonhörer oder was zu lesen, macht ein Nickerchen oder knabbert ein paar Chips.
 Claudias Feierabend sieht da schon ein bisschen anders aus. Wenn sie mittags nach Hause kommt, widmet sie sich zuerst dem Briefkasten. Nachdem sie die Post gecheckt hat, setzt sie sich mit der Zeitung in die Küche und trinkt einen Kaffee. Und natürlich ist da auch noch Jan, der meist ziemlich hungrig aus der Schule kommt. Das genießt Claudia besonders: Während sie das Essen macht, kann sie Jan von ihrem Tag erzählen und manchmal auch ein bisschen was von dem erfahren, was er so treibt.

Abends setzt sich Claudia gerne zu Thomas aufs Sofa. So auch heute. Schließlich kommt ihre Lieblings-Serie im Fernsehen: Criminal Intent. Während sie so dasitzen, muss Claudia lachen. Zum ersten Mal fällt ihr auf, dass die Sitzordnung auf dem Sofa genau der in ihrem Auto entspricht: Thomas links von ihr, Claudia rechts auf dem Beifahrersitz. Aber natürlich ist auch das kein Zufall. Mehr als die Hälfte der deutschen Ehepaare würden sich wundern, wüssten sie, dass es ihnen genauso geht.

Um 22.37 Uhr gehen beide ins Bett. Schließlich ist es ein ganz normaler Abend – wie er in jeder deutschen Familie so sein könnte.

Quellen:
Umfrage zum „deutschen Sofaverhalten“ von Bemz
ACNielsen Freizeitstudie
„Ipsos“-Studie im Auftrag von „Das Haus“ zu den Lieblinsplätzen im eigenen Haus
„Ipsos“-Studie im Auftrag von „Das Haus“ zu den Tätigkeiten, die nach dem Nachhausekommen als erstes verrichtet werden

Ein Hauch von Weltpolitik. Die Müllers im Sommerurlaub 2007.

Es ist Urlaubszeit und die Müllers fahren auch dieses Jahr nach Mecklenburg Vorpommern. Diesmal haben sie sich sogar bei Amazon einen Reiseführer bestellt.
 Doch es muss nicht wieder Usedom sein, die Insel kennen sie inzwischen fast auswendig. Der G8-Gipfel hat ihr Interesse geweckt, daher schlagen sie diesen Sommer ihr Lager in einer Pension in Kühlungsborn auf – ganz um die Ecke vom mittlerweile prominenten Heiligendamm.
Dort mieten sie sich für 11 Tage von Mittwoch, den 25.7., bis zum Samstag, den 4.8.07, ein Appartement in einer netten Pension, da Jan am 8. August wieder zur Schule muss. Claudia hat darauf bestanden, am Sonntag zuhause zu sein, damit Jan sich in Ruhe auf den Schulstart vorbereiten kann.

Thomas hat alles Nötige für den Urlaub im Internet recherchiert und dann kurz bei der Pension Sailor’s Inn durchgerufen, wo er für zehn Nächte 980 Euro bezahlen muss.

Insgesamt lassen sich die Müllers ihren Urlaub etwas mehr als 1800 Euro kosten. In zwei Wochen werden sie sich mit ihrem Auto aufmachen, um die schönsten Tage im Jahr beim Entspannen oder Meerbaden zu verbringen. Claudia freut sich darauf, viel Zeit füreinander zu haben und mal einen Mecklenburger Pflaumenbraten mit Rotkohl und Salzkartoffeln zu genießen.

Und sicher steht auch mal ein Ausflug in einen Freizeitpark oder ins benachbarte Heiligendamm an: Darauf sind Thomas und Jan schon ganz gespannt und wenn Claudia ehrlich ist, dann möchte auch sie mal sehen, wie denn die High Society so getagt hat.

heiligendamm

Quellen: ADAC, ADAC Reisemonitor 2007, Europ Assistance Urlaubsbarometer 2007, F.U.R. Reiseanalyse 2007, Statistisches Landesamt Mecklenburg-Vorpommern

Das Wohnzimmer geht online.

Die Müllers bekommen einen Internetanschluss.

Nachdem die Müllers lange Zeit zuhause auf Internet verzichten konnten und Thomas stattdessen an seinem Arbeitsplatz online ging, haben sich die beiden bereits Ende letzten Jahres dazu entschlossen, dass sie auch zuhause einen eigenen Anschluss brauchen. Den Ausschlag hatte damals die Urlaubsrecherche gegeben: Um die Kontaktdaten des Vermieters für die Usedomer Ferienwohnung raus zu finden, hatte Thomas bis dato bei der Arbeit einfach losgegoogelt. Das war eigentlich kein Problem, aber in Zukunft möchte er so etwas gerne zusammen mit Claudia machen – zumal die sowieso immer nörgelt, falls er etwas alleine entscheidet.
 Außerdem war die alte Computerecke ein ziemliches Trauerspiel:
Bisher stand ihr in die Jahre gekommener Rechner in einer kleinen Ecke im Flur und führte ein Nischendasein, obwohl gerade Thomas schon länger ziemlich viel Zeit daran verbringt. Seine Computerecke war allerdings nie so richtig über den Zustand eines Provisoriums hinaus gekommen: kein richtiger Computertisch, ein S/W-Drucker und außerdem keine Möglichkeit online zu gehen. Dazu der ganze Krempel (Druckerpapier, Rohlinge, ein alter, kaputter Joystick), der Claudia länger ein Dorn im Auge war.
 Im Zuge der Renovierung hat Thomas jetzt auch mal seinen Willen durchgesetzt.

Während Claudia das Wohnzimmer schon lange als „ihr Reich“ betrachtet, kam er sich dort immer ein wenig zu kurz gekommen vor (auch wenn er insgeheim natürlich total froh ist, dass sie sich um alles kümmert). Eine eigene Männer-Ecke hat ihm schon immer ein wenig gefehlt. Das wird sich jetzt ändern. Nachdem im Frühjahr Hand angelegt und ordentlich renoviert wurde, wird der neugewonnene Platz jetzt von Thomas in Anspruch genommen.
Natürlich ist der Rechner für alle da – aber vor allem für Thomas, ist es ein ganz persönliches Territorium. Hier kann er nicht nur Alltagskram erledigen (Korrespondenz mit Firmen und Behörden, Bücher zu Claudia Geburtstag bestellen, Urlaubsinfos raussuchen), sondern auch gemütlich seinen Hobbies nachgehen (Fußball, Formel 1, Familienfotos).

Zwar spielt Thomas eigentlich nie an seinem Computer (höchstens ganz selten mal mit einem der Standard-Microsoft-Spiele), aber einige seiner Freunde sind Freizeitspieler, die hin und wieder zur Zerstreuung “daddeln”. Von daher kennt Thomas bereits das eine oder andere Spiel und kann sich vorstellen, selbst in Zukunft mal öfter zum Joypad zu greifen. Zumal sein Sohn Jan auch seit einigen Jahren regelmäßig Computer spielt und schon ein kleiner Profi ist (weit mehr als die Hälfte der deutschen Jugendlichen spielt regelmäßig und bezeichnet sich als „Fortgeschritten“). Auf dem neuen Computer werden Thomas und Jan also voraussichtlich hin und wieder auch gemeinsam Fun- und Sportspiele spielen. Für komplexe Spielszenarien fehlt Thomas dagegen die Zeit und die Muße – nach Feierabend will er nicht auch noch zuhause geistige Anstrengung.

 Zur Zeit ist er gerade dabei, den neuen „Arbeitsplatz“ einzurichten: Mit kleinen, persönlichen Erinnerungsstücken und Accessoires: Sportpokale, Modellautos, sowie Ausdrücke seines Fan-Seins (Schumi & FC Köln).
 Das ganze sieht Claudia natürlich mit gemischten Gefühlen, aber der Einzug des PC hat auch Vorteile: Das alte Sideboard konnte endlich (!) gegen ein neues von IKEA ausgetauscht werden. Dazu passt auch der neue Computertisch optisch perfekt, auf dem man außerdem all die Teile des Computers vernünftig und ordentlich unterbringen kann; ohne das ganze Gemülle. So wird aus der Ecke am Fenster (die immer schon ein wenig trist aussah) jetzt ein richtig nützlicher Platz.

Hier findet der „Deutschland“-PC seinen Platz.

Der neue Computer ist eigentlich gar nicht neu. Denn den „Deutschland“-PC von Fujitsu-Siemens hatte sich ein Kollege von Thomas schon vor drei Jahren gekauft. Da dieser aber schon wieder einen neuen Rechner wollte, hat Thomas die Chance genutzt und das gebraucht Stück übernommen. Der PC kann ja auch alles, was Thomas so braucht – und noch ein bisschen mehr: Ein Intel-Pentium-Prozessor, DVD-Laufwerk inkl. Brenner und aller Programme, die das Herz begehrt (XP Home Edition mit Works Suite 2003). Auch der Drucker ist super: der Deskjet 5940 von Hewlett Packard kann sogar die Familienfotos ausdrucken. Seinen alten Monitor hat er erstmal behalten: einen Fujitsu X192 Röhrenmonitor, 19 Zoll mit Sony Trinitron Röhre.

Auf geht’s in Netz.

Thomas findet, dass mit dem neuen DSL-Anschluss das Surfen im Internet eine ganz neue Qualität bekommt. Keine ewigen Ladezeiten, wie er es von einigen der alten Rechnergurken im Büro kennt, sondern ratz-fatz die Sachen, die man sucht. Und es gibt einiges zu tun: Neben aktuellen Nachrichten und Sportergebnissen beschäftigt Thomas zur Zeit vor allem das Thema Sommerurlaub: Es geht wohl wieder nach MeckPomm dieses Jahr… aber wohin genau? Im Internet lassen sich Ferienorte und mögliche Pensionen super raussuchen und vergleichen. Auf Claudias Drängen hat er auch gleich bei Amazon einen Reiseführer MeckPomm bestellt… toll, wie einfach das heute geht. Und als er gerade dabei war, hat er auch gleich mal neue Handys angeguckt (sein Vertrag läuft nämlich bald aus und er kann sich bei Verlängerung ein neues Modell aussuchen).

Claudia kann bisher nicht sonderlich viel mit dem neuen Rechner anfangen. Klar war sie auch schon ein paar Mal im Internet – sie ist ja nicht von vorgestern. Aber was Thomas und Jan da alles machen, interessiert sie nicht so. Außer vielleicht, was Thomas hin und wieder abends lange vor dem Rechner treibt.
 Auch die Tatsache, dass jetzt nebenbei “gesurft” wird, während sie in Ruhe ihre Vorabendserie guckt, ist gewöhnungsbedürftig. Eigentlich hatten sie sich doch vorgenommen, mehr zusammen zu unternehmen und nun sitzt doch wieder einer vor dem PC und einer vor dem Fernseher.

Aber z.B. für die Urlaubsplanung ist der neue Internetanschluss schon super: Nicht nur, dass man gleich Fotos von Urlaubsorten und Pensionen begutachten kann. Auch über die Geschichte der Kaiserbäder hat sie sich bei Wikipedia schlau gemacht.
 Und sie hat auch gleich mal die Wetteraussichten für die Ostsee überprüft, obwohl es noch eine ganze Weile dauert bis zum Sommerurlaub.

pc ecke  Das Wohnzimmer geht online.

(Quellen: Spielplatz Deutschland, Internet Facts 2006, AWA, ACTA, VA, TdWi, Wohnen & Leben 6, CHIP Online, Zeitschrift „Das Haus“, Google, Lycos, AGOF, SirValUse, Typologie der Wünsche)

Silvester im Hause Müller.

Am Silvesterabend sind die Müllers bei einer befreundeten Familie zum Abendessen und gemütlichem Beisammensein eingeladen. Auch Jan ist dabei, da er noch zu jung ist, um schon alleine mit Freunden feiern gehen zu dürfen.

Der Abend beginnt mit einem ausführlichen Raclette-Essen im Wohnzimmer. Nachdem man noch eine ganze Weile in Gesprächen vertieft ist, wird gemeinsam Blei gegossen. Um 22.30 Uhr sitzen dann alle vor dem Fernseher, um sich „Dinner for One“ im WDR anzuschauen. Dazu werden als typisches Silvestergebäck Berliner gereicht.

Kurz nach elf Uhr verlassen alle gemeinsam das Haus, um sich in Richtung Kölner Innenstadt aufzumachen. Ziel ist die Deutzer Brücke, die traditionell für die Feiernden gesperrt ist, und wo die Müllers mit ihren Freunden das Feuerwerk anschauen wollen. Auch Claudia, Thomas und Jan haben ein paar Raketen und Böller dabei. Schon am 30. Dezember haben sie die Pyrotechnik im Wert von 25 Euro besorgt.

Dieses Jahr hält sich Claudia beim Abfeuern der Raketen nicht im Hintergrund, sondern greift selbst zum Feuerzeug. Zum Abschluss wird noch die mitgebrachte Flasche Rotkäppchen Sekt geöffnet und alle stoßen auf das neue Jahr an. Und sogar Jan darf ein eigenes Glas zum Anstoßen haben.

müller_silvester

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